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ICSI-Ergebnisse in Abhängigkeit von den Variationsmöglichkeiten
der Spermatozooninjektion
[O. Drost, A. v. Stutterheim und E. H. Schmidt, Frauenklinik des
Ev. Diakoniekrankenhauses Bremen, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität
Göttingen]
Vorwort
Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluß der Art der Spermatozooninjektion
auf die Fertilisationsrate zu untersuchen. Ausgewertet wurden die ersten
100 an unserem Zentrum durchgeführten ICSI-Zyklen. An insgesamt 904
untersuchten Oozyten (davon 89,7% reife Metaphase-II-Oozyten) konnten
wir eine Fertilisationsrate von 58,1%, eine Transferrate von 93% und eine
klinische Schwangerschaftsrate von 23,7% pro Transfer feststellen. 502
der 796 Mikroinjektionen verliefen ohne sichtbaren Fehler, was zu einer
Fertilisationsrate von 62% führte. Bei 96,2% fand die Injektion mit
PVP (Fertilisationsrate 59%) und bei 3,8% mit Ham’s F10 (Fertilisationsrate
34,5%) statt. 75,7% der Eizellen waren nach Injektionen mit großer
Zytoplasmaaspiration fertilisiert. Dagegen betrug die Fertilisationsrate
bei mehrfacher Zytoplasmaaspiration 50%. Eine niedrige Fertilisationsrate
von 32% konnten wir bei mehrfacher Oolemmapenetration nachweisen. Nach
ICSI mit einem PVP- oder Ham’s F10-Fleck im Ooplasma zeigte sich
eine Fertilisationsrate von 51,7%. Trat bei der Injektion das Invaginationsphänomen
auf, stieg die Fertilisationsrate auf 71%. Sie fiel aber bei Berührung
des gegenüberliegenden Oolemmas auf 41,7%. Der Anteil der degenerierten
Eizellen nach der Mikroinjektion betrug 6,2%. Von den 238 transferierten
Präembryonen konnten den einzelnen Qualitätsgraden von I bis
V 21,4% Grad I, 45,4% Grad II, 20,2% Grad III, 5,5% Grad IV und 7,6% Grad
V zugeordnet werden.
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Einleitung
Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) stellt seit Anfang
der 90’er Jahre eine vielversprechende Alternative zur herkömmlichen
In-vitro-Fertilisation (IVF) bei erheblicher andrologischer Subfertilität
dar [3, 16]. Im Vergleich zu anderen Techniken der assistierten Fertilisation,
wie Zonadrilling (ZD), partieller Zonadissektion (PZD) oder subzonaler
Insemination (SUZI) ist die ICSI zur Zeit die erfolgreichste Behandlungsmethode.
Klassische IVF oder ähnlichen Methoden sind nur dann erfolgversprechend,
wenn die Spermatozoen bestimmte Mindestanforderungen erreichen (bei IVF
mindestens 200.000 progressiv mobile, gereinigte Spermien pro Eizelle).
Aber auch bei der ICSI bestehen gewisse Mindestanforderungen hinsichtlich
der Spermatozooninjektion, um eine gute Fertilisations-, Transfer- und
Schwangerschaftsrate zu erzielen. Diese Arbeit stellt die für uns
auffälligsten Variationsmöglichkeiten bei der Mikroinjektion
bei unseren ersten 100 Behandlungszyklen zusammen. Untersucht wurde der
Einfluß von Spermatozooninjektionen mit großer und mehrfacher
Zytoplasmaaspiration und mit nicht vollständig immobilisierten Spermatozoen
sowie mit Spermatozoen, bei denen durch die Immobilisierung der Schwanz
geknickt wurde. Ebenso sollen hier Injektionen, wobei das Spermatozoon
mit dem Schwanz voran eingebracht wurde, und der Einfluß von der
Art des benutzten Injektionsmediums dargestellt werden. Beschrieben werden
ebenfalls die Auswirkungen der mehrfachen Oolemmapenetration, der Oolemmaberührung
auf der Gegenseite der Oozyte und das Invaginationsphänomen bei der
Injektion.
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Material und
Methode
Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Januar bis August 1996.
Für die ICSI wurde in 100 Behandlungszyklen die ovarielle Stimulation
mit dem langen Protokoll durchgeführt. Hierbei erhielten die Patientinnen
ab dem 20. Zyklustag im Vorzyklus eine tägliche GnRH-Analogon-Injektion
(Triptorelinacetat als Decapeptyl 0,1® (Ferring/Tosse)). 2 Wochen
nach Spritzenbeginn begann dann die ovarielle Stimulation. Stimuliert
wurde mit HMG (Pergonal® (Serono)), FSH (Fertinorm HP® (Serono))
oder rekombinantem FSH (Gonal F® (Serono)), in der Regel mit 150 IE
täglich. Die HCG-Applikation (10.000 IE Pregnesin® (Serono))
erfolgte bei einem Durchmesser der Führungsfollikel ab 20 mm 36 Stunden
vor der ultraschallgesteuerten vaginalen Follikelpunktion.
Die gewonnenen Oozyten kamen in mit 5% CO2 bei 37°C begastes Ham’s
F10-Medium (IVF-Medium (Gück)). Nach ca. 3 Stunden wurden die Oozyten
freipräpariert, d.h., es wurden mit Hirschmann-Kapillaren die Cumulusmasse
und die Coronarzellen entfernt. Dies erfolgte durch ein Eizellbad von
30 Sekunden in Hepes-gepuffertem Ham’s F10 mit 80 IE Hyaluronidase
und durch mehrmaliges Spülen der Eizellen in reinem Hepes-gepufferten
Ham’s F10 (Flushing-Medium (Gück)). Die Mikroinjektion der
Metaphase-II-Oozyten fand etwas später statt, ca. 4,5 Stunden nach
der Follikelpunktion. Zuvor wurden alle reifen Oozyten in eine Petrischale,
die Hepes-gepufferte Ham’s F10-Tropfen zu 5 µl enthielt, unter
Paraffinöl umgesetzt.
Die Spermienaufbereitung erfolgte durch Waschen in Ham’s F10-Medium,
10-minütiger Zentrifugation bei 500 G und anschließendes swim
up (soweit möglich). Etwa 0,8-1,0 µl der aufbereiteten Spermienflüssigkeit
kam dann in einen 5-µl-Tropfen aus Polyvinylpyrrolidon (PVP) unter
Paraffinöl.
Unter einem speziellen Mikroskop (Olympus IX 50), das mit Manipulatoren
für die Mikroinjektion (Luigs & Neumann) ausgerüstet ist,
erfolgte die Spermieninjektion der Oozyten. Dabei wurden die Oozyten mit
der Haltepipette so gefasst, dass das Polkörperchen bei
6 Uhr zu liegen kam. Mit der Injektionspipette wurde dann jeweils ein
immobilisiertes Spermatozoon bei 3 Uhr in die Eizelle injiziert. Anschließend
erfolgte die Umsetzung der Eizellen in Ham’s F10-Medium (4-Well-Schälchen)
und die Begasung mit 5% CO2 bei 37°C im Inkubator.
16 bis 18 Stunden danach wurden die Eizellen auf Fertilisationszeichen
hin untersucht und nach weiteren 26 bis 28 Stunden erfolgte die qualitative
Beurteilung der zu transferierenden Präembryonen nach der Klassifikation
von Veeck [18]:
Grad 1 :
Präembryo mit Blastomeren gleicher Größe und keine zytoplasmatischen
Fragmente
Grad 2 :
Präembryo mit Blastomeren gleicher Größe und kleineren
zytoplasmatischen Fragmenten oder Bläschen
Grad 3 :
Präembryo mit ungleichgroßen Blastomeren ohne bzw. mit nur
sehr wenigen zytoplasmatischen Fragmenten
Grad 4 :
Präembryo mit Blastomeren gleicher oder ungleicher Größe
mit massiver zytoplasmatischer Fragmentation
Grad 5 :
Präembryo mit einigen Blastomeren unterschiedlicher Größe
und kompletter Fragmentation
Nach dem intrauterinen Transfer (Edwards-Wallace-Embryotransferkatheter)
von maximal 3 Präembryonen erhielten die Patientinnen zur Unterstützung
der lutealen Phase 3mal täglich über 2 Wochen 200 mg Progesteron
intravaginal (Utrogestan® (Labo Piette Intern.)) und, vorausgesetzt
es boten sich keine Zeichen eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms,
zusätzlich am Transfertag 5.000 IE HCG i.m. (Pregnesin® (Serono)).
War 2 Wochen nach Transfer der Schwangerschaftstest positiv, werteten
wir dies als biochemische Schwangerschaft. Die Diagnose einer klinischen
Schwangerschaft wurde ab der 5+0 SSW (21. Tag nach dem Transfer) mit dem
Sichtbarwerden einer intrauterinen Fruchthöhle im vaginalen Sonogramm
gestellt.
Zur Signifikanzberechnung diente in den Kontigenztafeln der Chi-Quadrat-Test,
zum Teil mit Yates-Korrektur, und bei mathematisch zweifelhaftem Chi-Quadrat-Testergebnis
zusätzlich der 2I-Test nach Kullback. Bei der statistischen Analyse
von Häufigkeitsverteilungen wurde der Student’s t-Test herangezogen.
Hinsichtlich der Aussagekraft der Ergebnisse muss erwähnt werden,
dass nur 100 ICSI-Zyklen untersucht wurden und uns damit in den einzelnen
Untergruppen nur kleine Fallzahlen zur Verfügung standen.
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Ergebnisse
Insgesamt wurden für ICSI 100 erfolgreiche transvaginale Punktionen
durchgeführt. Dabei kam es bei einer Fertilisationsrate von 58,1%
bei 93 Punktionszyklen zu einem Embryotransfer (93,0%). Klinische Schwangerschaften
konnten bei 22 Patientinnen nachgewiesen werden. Das entspricht einer
klinischen Schwangerschaftsrate von 23,7% pro Transfer.
Gewonnen wurden 1.014 Oozyten. Nach dem Freipräparieren waren 110
Oozyten (10,8%) beschädigt oder degeneriert. Von den restlichen 904
Eizellen befanden sich 811 in Metaphase II (89,7%), 67 in Metaphase I
(7,4%) und bei 26 waren Germinal Vesicles (2,9%) sichtbar. Bei den Punktionszyklen,
wo es zu einer klinischen Schwangerschaft kam, konnte mit 94,1% ein leicht
signifikant höherer Anteil an Metaphase-II-Oozyten (chi 2=6,078,
p=0,0479) nachgewiesen werden (versus 88,3%) (siehe Tabelle1) .
796 Metaphase-II-Oozyten wurden insgesamt behandelt. Dabei lag die durchschnittliche
Zeitdauer zwischen Follikelpunktion und ICSI bei 4,5 Stunden. Unterteilt
nach den Punktionszyklen mit und ohne klinische Schwangerschaft betrug
bei den Punktionszyklen mit klinischer Schwangerschaft die durchschnittliche
Zeit 3,4 Stunden (versus 4,8 Stunden, nicht signifikant, t=1,290566).
Von den 796 behandelten Metaphase-II-Oozyten waren 771 intrazytoplasmatische
Spermieninjektionen (96,9%) und 25 subzonale Spermieninjektionen (3,1%).
Bei den 771 ICSI’s erfolgten 742 Injektionen (96,2%) mit Polyvinylpyrrolidon
(PVP) und 29 mit Hepes-gepuffertem Ham’s F10-Kulturmedium (siehe
Tabelle 2) .
Nach ICSI traten bei 448 Eizellen (58,1%) Pronuclei auf. Wurde die Injektion
mit PVP durchgeführt, betrug die Fertilisationsrate 59,0%, nach Injektion
mit Hepes-gepuffertem Ham’s F10-Kulturmedium 34,5%. Nach 25 ungewollten
SUZI (auch mit immobilisierten Spermatozoen) ließ sich eine Fertilisationsrate
von 16,0% feststellen (siehe Tabelle 3) .
502 ICSI’s liefen optimal, d.h. ohne sichtbaren Fehler (siehe Tabelle
4) . Von denen wurden 311 Eizellen befruchtet (62,0%) (Tabelle 5) . Bei
den weiteren neun hier untersuchten Variationsmöglichkeiten der Spermatozooninjektion
fanden wir die folgenden Ergebnisse:
Eine große Aspiration von Ooplasma bei der Spermieninjektion konnten
wir bei 37 ICSI’s registrieren. Danach waren aber 28 Eizellen (75,7%)
befruchtet. Zu einer mehrfachen Aspiration kam es bei 14 Oozyten. Die
Fertilisationsrate lag hier bei 50,0% (n=7). Insgesamt wurde nur 1 nicht
ganz immobilisiertes, d.h. noch mobiles Spermatozoon injiziert. Hier sahen
wir keine Pronuclei. Rückwärts gelangten 7 Spermien in die Eizelle
(57,1% befruchtet, n=4). Bei 5 Spermien wurde bei der Immobilisierung
der Schwanz geknickt. 2 der mit diesen Spermien injizierten Eizellen zeigten
Fertilisationszeichen. 25 Oozyten mussten mehrfach injiziert werden,
wenn es z.B. zu Schwierigkeiten bei der Penetration des Oolemmas kam oder
das Spermatozoon nach der ICSI ungewollt herausgezogen wurde. Befruchtet
waren danach 32,0% (n=8). Bei zu forcierter Injektion traten in 60 Fällen
PVP- oder Ham’s F10-Flecke in den Oozyten auf. Dies führte
zu einer Fertilisationsrate von 51,7% (n=31). Nach Invagination (n=31),
d.h. wenn sich der Einstichkegel nicht zurückbildete und das Spermatozoon
in diesem Kegel zu liegen kam, konnten bei 22 Eizellen (71,0%) Pronuclei
beobachten werden. Bei 60 Oozyten wurde bei der Spermieninjektion mit
der Injektionspipette das gegenüberliegende Oolemma berührt.
Hier ist die Fertilisationsrate mit 41,7% (n=25) deutlich niedriger.
Degenerationszeichen zeigten von 796 behandelten Oozyten nur 6,2% (n=49).
Von allen 238 transferierten Präembryonen konnten wir 51 (21,4%)
dem Grad 1 zuordnen. 108 Präembryonen (45,4%) waren Grad 2, 48 (20,2%)
Grad 3, 13 (5,5%) Grad 4 und 18 (7,6%) Grad 5. Durchschnittlich wurden
2,6 Präembryonen transferiert. 2,5 waren es bei den 71 Transferzyklen
ohne nachfolgende klinische Schwangerschaft. Bei den Transferzyklen, wo
es zu einer klinischen Schwangerschaft kam, betrug die durchschnittliche
Anzahl an transferierten Präembryonen 2,7. Dieser Unterschied war
aber nicht signifikant (t=1,026557). Ebenso konnten wir bei der Verteilung
der transferierten Präembryonen nach den verschiedenen Qualitätsgraden
keine signifikant bessere Präembryonenqualität (chi 2=7,0; p=0,1359)
bei den Transferzyklen mit klinischer Schwangerschaft feststellen (siehe
Tabelle 6) .
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Diskussion
Mit der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wurde eine Methode entwickelt,
die Paaren mit langjährigem Kinderwunsch bei schwerer andrologischer
Subfertilität die Möglichkeit auf eigenen Nachwuchs gibt. Die
andrologische Subfertilität dient aber als Indikation für ICSI
nur dann, wenn entweder Spermiendichten von unter 3-5 Mio./ml vorliegen
bzw. nicht davon ausgegangen werden kann, dass für die IVF mindestens
200.000 progressiv mobile, gereinigte Spermien pro Eizelle zur Verfügung
stehen, oder es bei 1 bis 2 vorausgegangenen klassischen IVF-Versuchen
bei ausreichender Oozytenanzahl nicht zu Fertilisationen kam. Als Indikation
für ICSI gilt auch eine schwere elektronenmikroskopisch gesicherte
Teratozoospermie. Weiterhin bestehen bei MESA (mikrochirurgische epididymale
Spermien-Aspiration) und TESE (testikuläre Spermien-Extraktion) die
besten Chancen auf Erfolg, wenn sich die intrazytoplasmatische Spermieninjektion
dem anschließt [5, 10, 14, 15, 21].
Eine vergleichbare detaillierte Analyse der Variationsmöglichkeiten
der Spermatozooninjektion findet sich in der internationalen Literatur
nicht. Hinsichtlich Fertilisations-, Transfer- und klinischer Schwangerschaftsrate
lassen sich unsere Ergebnisse mit denen der Gruppe um van Steirteghem
[16] vergleichen. Dort liegt die Transferrate bei 90%, ähnlich unseren
93%. Dagegen erreicht unsere klinische Schwangerschaftsrate bei den ersten
100 Behandlungszyklen mit 23,7% pro Transfer nicht die Zahl von 39,2%
der Brüsseler Arbeitsgruppe. Ähnlich ist aber ihre Fertilisationsrate
mit 64,2% (versus 58,1%). Die Fertilisationsraten in anderen Veröffentlichungen
bewegen sich zwischen 49,1% und 76,8% [7, 9, 12, 17].
Eine etwas höhere Fertilisationsrate konnten wir mit 62% nach ICSI’s
ohne sichtbaren Fehler feststellen, d.h., man kann nach einer optimal
verlaufenen ICSI in 2/3 aller Fälle davon ausgehen, dass nach
ca. 16 Stunden (nach Nagy et al. [6] der optimale Zeitpunkt) die Eizelle
zwei Pronuclei aufweist.
Noch höhere Fertilisationsraten sahen wir nach ICSI’s mit großer
Zytoplasmaaspiration (75,7%) und nach ICSI’s mit Invagination (71,0%).
Dagegen war nach Mikroinjektionen mit Berührung des gegenüberliegenden
Oolemmas die Fertilisationsrate mit 41,7% ausgesprochen niedrig. Die Ursache
hierfür könnte vielleicht die zu starke Verletzung des Zytoskeletts
sein, wie das auch bei der Injektion noch mobiler Spermien angenommen
wird. Einen Einfluß auf die Intaktheit der Eizellen nach der Mikroinjektion
scheint dies aber nicht zu haben. Insgesamt zeigten nur 6,2% der behandelten
Oozyten nach ca. 16 Stunden Degenerationszeichen. Somit lag dieses Ergebnis
(93,8% intakte Eizellen) über dem allgemeinen Durchschnitt (83,7%
[17], 84-90% [7]).
Bei uns wurde bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion stets darauf
geachtet, dass das jeweils injizierte Spermatozoon vollständig
immobilisiert war [1, 4, 9]. Nur in einem Fall kam es nicht zur vollständigen
Immobilisierung. Über die Bedeutung der vollständigen Immobilisierung
wurde bereits früher berichtet [1]. So lag die Transferrate bei Injektion
noch mobiler Spermien bei nur 63,2% gegenüber 96,7% (jetzige Arbeit
93%) bei Injektion vollständig immobilisierter Spermien.
Von 904 Oozyten befanden sich 89,7% in der Metaphase II. Wurden diese
811 reifen Oozyten hinsichtlich des Behandlungsergebnisses unterteilt,
konnte bei den Punktionszyklen, die zu einer klinischen Schwangerschaft
führten, mit 94,1% (versus 88,3%) ein leicht signifikant höherer
Anteil nachgewiesen werden. So scheint bei rund 90% reifen Oozyten dennoch
eine weitere Verbesserung der Follikelstimulation zur Erreichung eines
noch höheren Anteils an Metaphase-II-Oozyten sinnvoll, da sich das
Verhältnis der reifen zu den unreifen Oozyten auf das Behandlungsergebnis
auswirken kann.
Insgesamt hatten wir 26 Oozyten mit Germinal Vesicles. Diese unreifen
Eizellen wurden demzufolge auch nicht injiziert. Es bestünde aber
die Möglichkeit, in Fällen, wo überwiegend nur unreife
Oozyten vorhanden sind, diese nachreifen zu lassen. Nach den Ergebnissen
von Nagy et al. [8] konnten so 64% aller Germinal-Vesicle-Oozyten nach
30 Stunden zu Metaphase-II-Oozyten in vitro nachreifen, die dann nach
ICSI auch eine normale Fertilisierung aufwiesen.
Hinsichtlich der Präembryonenqualität konnten wir im Gegensatz
zu anderen Autoren wie Veeck [18, 19, 20], Erenus et al. [2], Puissant
et al. [11] und Scott et al. [13] keinen signifikant besseren morphologischen
Zustand der sich in Teilung befindlichen Präembryonen, bei den Transferzyklen,
die zu einer klinischen Schwangerschaft führten, nachweisen.
Stellt man anhand der einzelnen Fertilisationsraten in Abhängigkeit
von den Variationsmöglichkeiten der Spermatozooninjektion eine Fertilisierungsrangliste
auf, so scheinen Injektionen mit großer Zytoplasmaaspiration die
beste Fertilisierung mit 75,7% aufzuweisen, gefolgt von Injektionen mit
Invagination (71%) und Injektionen ohne sichtbaren Fehler (62%). In bezug
auf die Anzahl der injizierten Oozyten fanden wir mit 32% die schlechteste
Fertilisationsrate bei Spermieninjektionen mit mehrfacher Oolemmapenetration
(siehe Tabelle 7) .
Inwieweit diese Ergebnisse Ansatzpunkte zur Optimierung des Verfahrens
sein können, lässt sich am Beispiel der angenommenen besten
und schlechtesten ICSI-Bedingungen darstellen. So wäre nach den hier
vorliegenden Ergebnissen der angenommene Idealfall, wenn die intrazytoplasmatische
Spermatozooninjektion bis ca. 3-4 Stunden nach der Follikelpunktion durchgeführt
wird, mehr als 90% reife Oozyten vorhanden sind und die Injektion mit
PVP, ohne sichtbaren Fehler oder mit großer Zytoplasmaaspiration
bzw. mit Invagination erfolgt (siehe Tabelle 8) .
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Bremer Zentrum für Fortpflanzungsmedizin
Prof. Dr. med. Ernst Heinrich Schmidt und
Dr. med. Olaf Drost
Frauenklinik, Evang. Diakoniekrankenhaus
gGmbH Bremen
Gröpelinger Heerstraße 406 / 408
28239 Bremen
Tel. (0421) 61 02-0, Fax (0421) 61 02-12 29
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